Der höchste Neujahrswunsch
Der höchste Neujahrswunsch
An höchster Stelle, am Kirchturm der Bergkirche, hat die evangelisch-lutherische Dreikönigsgemeinde am letzten Tag des Jahres 2011 einen eindringlichen Neujahrswunsch für 2012 festgemacht. Oben am Kirchturm, über den seit dem 21. Oktober 2011 ein Flugzeug nach dem anderen in geringer Höhe hinwegfliegt, hat sie ein 8 Meter langes und 2,60 Meter breites Banner in Richtung der herankommenden Flugzeuge aufgehängt. Marsel Djendjo hat es eindrucksvoll gestaltet. Ein Team aus engagierten Mitgliedern der Bürgerinitiative Sachsenhausen und Gemeindegliedern hat es mit größter Sorgfalt (und einiger Mühe) in windiger Höhe angebracht.
Ob es groß genug ist, um von den Flugzeugen aus gelesen zu werden?
„Wenn wir auch müde sind, lässt man uns doch keine Ruhe!“
Mit diesem Bibelzitat, einem Vers aus dem Buch der Klagelieder, weist die Kirchengemeinde auf die unerträgliche Belastung durch den seit Einweihung der neuen Landebahn erheblich gestiegenen Fluglärm hin. Ein großer Teil der Sachsenhäuser Gemeindeglieder und viele andere Menschen im Süden Frankfurts und weit darüber hinaus leiden ganz erheblich unter den direkt über sie hinwegdonnernden Flugzeugen.
Die Kirchengemeinde möchte Ihnen ein Zeichen der Solidarität geben und gleichzeitig ein Signal an die Verantwortlichen senden, dass die massiven Veränderungen durch die neue Landebahn viele Menschen in eine unerträgliche Situation gebracht haben. Auf dem Sachsenhäuser Berg fühlen sich zahlreiche Menschen in ihrem Haus nicht mehr Zuhause, vom Verlust des Gartens und des Balkons ganz zu schweigen. Viele sind hin- und hergerissen zwischen irgendwie Aushalten und Wegziehen.
Der Kirchenvorstand der Dreikönigsgemeinde möchte nicht tatenlos zusehen, wie die Kinder im Kindergarten ebenso wie am Goetheturm unter den donnernden Maschinen spielen müssen, wie Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit zu konzentriertem Arbeiten und Lernen, aber auch zum Entspannen und zum Ausschlafen genommen wird und – nicht zu vergessen – wie bei Beerdigungen auf dem Südfriedhof die Segensworte und Gebete an den Gräbern von einem oft kriegsähnlichen Dröhnen verschluckt werden.
Pfarrerin Silke Alves-Christe